Keine sexuellen Übergriffe in der Kinder- und Jugendarbeit!
Neue
Qualifizierungsreihe für Leitungskräfte der Jugendarbeit – Modellprojekt
„PräTect... keine Täter in den eigenen Reihen!“ ist gestartet – Anmeldungen ab
sofort möglich
Für
Verantwortliche der Kinder- und Jugendarbeit ist es ein Alptraum: „Was wäre,
wenn wir glauben müssten, dass sich jemand aus dem Kreis unserer
Jugendleiter/-innen an unseren Teilnehmenden vergreift?“ Der Gedanke ist mehr
als beunruhigend - ein Pädokrimineller könnte sich ins eigene Team
einschleichen, das ihm entgegen gebrachte Vertrauen ausnutzen, die Strukturen
im Verband oder Jugendring und die Nähe zu den Mädchen und Jungen für seine
kriminellen Zwecke missbrauchen. Jede Menge Fragen zum Verdachtsfall tun sich
auf: „Kann man bestimmten Gerüchten oder Informationen glauben? Wie muss ich
als Verantwortlicher reagieren? Muss die Polizei eingeschaltet werden? Kann
oder muss ich vorher mit dem Mitarbeiter reden? Welche Folgen hat es, wenn ein
solcher Fall in der Öffentlichkeit bekannt wird?“ Vor allem aber: „Wie können
wir uns davor schützen, dass ein solcher Vorfall bei uns passiert?“
Die
neue Qualifizierungsreihe zur Prävention sexueller Gewalt in der Kinder- und
Jugendarbeit gibt Antworten auf solche Fragen. Sie gibt Leitungskräften die
notwendigen Instrumente an die Hand, um umfassende Präventionsmaßnahmen in der
eigenen Organisation verankern zu können. Veranstalter ist der Bayerische
Jugendring in Kooperation mit dem Deutschen Bundesjugendring. Die Stiftung
Deutsche Jugendmarke e.V. fördert das Modellprojekt.
Statistisch
gesehen gibt es in allen Kinder- und Jugendgruppen Betroffene
Seriöse
Schätzungen gehen davon aus, dass jedes dritte bis vierte Mädchen und jeder
neunte bis zwölfte Junge von sexueller Gewalt betroffen ist. Rein statistisch
gibt es also in allen Kinder- und Jugendgruppen Betroffene – egal ob im
Kindergarten, in der Schule oder in der Kinder- und Jugendarbeit. Häufig
versuchen Täter, sich dort einzuschleichen, wo sie Kontakte und Beziehungen zu
Mädchen und Jungen aufbauen können.
Deshalb
ist es ein Qualitätsmerkmal guter Kinder- und Jugendarbeit, sich diesem Thema
zu stellen und Schutzmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt einzuführen – und nicht
Zeichen eines schlechten Gewissens.
Nicht
zuletzt durch die Neuerungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz hat das Thema
Kindeswohlgefährdung in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Für die
Kinder- und Jugendarbeit steht die Prävention sexueller Gewalt dabei im
Mittelpunkt.
Strukturen,
Abläufe und Entscheidungskriterien verbessern
Das
Modellprojekt „PräTect... keine Täter in den eigenen Reihen!“ unterstützt
Organisationen der Kinder- und Jugendarbeit darin, umfassende
Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt einzuführen und zu verankern.Dazu bietet es eine Qualifizierungsreihe für Verantwortliche von
Trägern der Jugendarbeit an. Im Zentrum
der Qualifizierungsreihe stehen Organisationen, ihre Strukturen, Abläufe und
Entscheidungskriterien. Sie sollen dahingehend verbessert werden, das Risiko
von Übergriffen in der Kinder- und Jugendarbeit zu verringern und so gezielt
zum Kinderschutz beizutragen.
Damit
ein solcher Entwicklungsprozess Erfolg haben kann, braucht es die aktive und
engagierte Unterstützung durch die Leitungsebene. Eine bewusste Entscheidung
des verantwortlichen Gremiums zur Teilnahme sowie eine entsprechende
Vereinbarung zwischen der Organisation und dem Projekt ist daher Bedingung.
Erfahrung aus
sechs Jahren Präventionsberatung in Bayern
Die
Themen und Inhalte der Qualifizierungsreihe orientieren sich am aktuellen Stand
der Fachdiskussion. Zusätzlich fließen die Erfahrungen aus dem Projekt
„PräTect“ des Bayerischen Jugendrings ein. Seit 2003 berät der Bayerische
Jugendring Verantwortliche der Jugendarbeit u.a. zu Möglichkeiten der
Prävention oder zum Verhalten im Verdachtsfall. Expert/-innen aus der Praxis sind
in die Beratung einbezogen. Zudem ist inzwischen ein landesweites Netzwerk von
Vertrauensleuten in Jugendverbänden entstanden. Die aktuelle Fortbildung
vermittelt Fachwissen, das durch erprobte Praxisbeispiele und Materialien
ergänzt wird. Die Teilnehmenden wenden das Gelernte nach jedem Modul direkt in
ihrem Arbeitsfeld an. Sie tauschen sich mit anderen Teilnehmenden über ihre
Erfahrungen aus und werden dabei kontinuierlich, u.a. durch ein Online-Coaching,
unterstützt.
Die Qualifizierungsreihe
beginnt im September 2009 und endet im Juni 2010.
Ansprechpartnerin beim
Bayerischen Jugendring ist Beate Steinbach, steinbach.beate@bjr.de, Tel.
089/51458-63.
„PräTect...
keine Täter in den eigenen Reihen!“ ist ein Modellprojekt des Bayerischen
Jugendrings in Kooperation mit dem Deutschen Bundesjugendring, gefördert aus
Mitteln der Stiftung Deutsche Jugendmarke e.V.